Anwendungsgebiete

Was wird behandelt?
Der osteopathische Therapeut behandelt die so genannten drei großen Systeme:

Das parietale System, oder das Muskel – Skelett – System.
Hierbei wird berücksichtigt, dass ein blockiertes Gelenk oder ein chronisch verspannter Muskel eine ganze Kette von „Fehlstellungen“ und somit Probleme auslösen kann.

Als Beispiel mag hier ein verstauchter Fuß herhalten. Wenn dabei z.B. das Sprunggelenk sich nicht wieder in seine ursprüngliche Position zurückbewegen kann, dann kann der Fuß auch nicht mehr richtig abgerollt werden.

Dies führt auf die Dauer zu einer Überlastung des Gelenkes, was in der Folge zu einer Fehlstellung im Knie, der Hüfte und der Lendenwirbelsäule führt. Es kann sogar, wenn es lange genug unbehandelt bleibt, zu chronischen Halswirbel­säulen-Beschwerden mit Kopfschmerzen führen.

Das viscerale System oder Organsystem.
Hierbei beurteilt der Therapeut die Mobilität des Organapparates. Alle Organe des Körpers müssen genauso beweglich sein, wie die Gelenke des Skeletts. Allein durch die normale Atmung werden nicht nur die Lungen, sondern auch das gesamte Bauchpaket bewegt. Jeder weiß, dass sich der Bauch bei der tiefen Einatmung nach vorn und bei der Ausatmung zurück bewegt. Diese Bewegung wird durch das Zwergfell bestimmt und geschieht ca. 20.000-mal am Tag.

Die mechanische Beanspruchung der Organe wird dabei ziemlich deutlich. Wenn jetzt also ein Organ in seiner Bewegung eingeschränkt wird (z.B. durch Narbenbildung nach einer Gallen – OP), dann versucht der Körper den „Stress“ auf das Organ dadurch zu reduzieren, indem er eine Ausweichbewegung macht. Dies wird dann auch Schonhaltung genannt.



Es kann in der Folge dazu führen, das der Betroffene nicht mehr richtig tief einatmet und sich dann später öfter das Gefühl bekommt nicht mehr richtig leistungsfähig zu sein. Außerdem werden ihn dann auch oft latente Rückenschmerzen begleiten, die gelegentlich auch einmal stark sein können. Diese Schmerzen resultieren oft aus der o.a. Schonhaltung und aus den schlechten Informationen aus dem Organ, die über das Nervensystem zunächst ja auch in die Wirbelsäule geleitet werden. Probleme dieser beschriebenen Art führen mittelfristig nicht selten zu Stoffwechselproblemen oder gar Versagen des Organs.

Hier wären die Symptome auch anders und gehören dann auch nicht mehr in die Hände eines Therapeuten, sondern in die eines Arztes. Der osteopathische Therapeut betrachtet also mehr die Umgebung der Organe, während der Arzt mehr die spezifische Funktion und die Innenwelt des Organs betrachtet und behandelt.



Das cranio – sacrale System, oder das Nervensystem mit seinen knöchernen Anteilen.
Das Wort cranio – sacral kommt aus dem Griechischen. Cranium bedeutet Kopf und Sacrum bedeutet Kreuzbein. Hier wird also alles, was mit dem Nervensystem zu tun hat behandelt.

Der Therapeut erspürt oder ertastet mit sehr sanften und vorsichtigen Berührungen den Zustand der zu untersuchenden Gebiete und beurteilt so deren „Vitalitäts-“ oder Gesundheitszustand. Diese Technik findet fast immer Anwendung innerhalb der osteopathischen Behandlung, weil schließlich jede Information, die unser Gehirn erreicht hier verarbeitet wird.

Die cranio – sacrale Therapie unterstützt die Heilungsprozesse im Körper und sorgt für die nötige Entspannung, die der Körper (und auch der Geist) braucht. Selbstverständlich gibt es auch Erkrankungen, die dieses System selbst betreffen und somit auch primär mit dieser Technik zu behandeln sind.

Sämtlichen Behandlungen gehen sogenannte Sicherheitstests voraus, die der Therapeut zum Teil schon in die Untersuchung mit integriert und so vom Patienten oft nicht wahrgenommen werden und somit auch nur relativ wenig Zeit beanspruchen. Damit wird dem Patienten und dem Therapeut viel Sicherheit während der Behandlung gegeben.

Andrew Taylor Still hat selbst nie die einzelnen Systeme differenziert, da er, wie Eingangs erwähnt, den Menschen immer als Ganzes gesehen und behandelt hat. Die Unterscheidung der einzelnen Systeme erlaubt uns jedoch ein besseres, didaktisches Lernen, und gibt gleichzeitig die Möglichkeit, die Materie der Oseopathie besser zu verdeutlichen.

Jeder osteopathische Therapeut hat seinen Behandlungsschwerpunkt auf einem anderen Gebiet. Der eine behandelt besser oder lieber im parietalen, der andere vielleicht im viszeralen System. Letztendlich ist es egal, wie der Therapeut, dem Sie sich anvertrauen behandelt, wenn er sich nur an die von A.T. Still vorgegebenen Grundsätze hält und die Prinzipien berücksichtigt, die als absolute „Wegweiser“ der Behandlung dienen.